Der Tote im Wilden See

geschrieben im November 2018

“Mörderische Alpen”, Servus Verlag,  ISBN-13 9783710402180, 144 Seiten / 12.0 x 20.0 cm Erscheinungstermin: 17. Oktober 2019

“Mörderische Alpen”, Servus Verlag, ISBN-13 9783710402180, 144 Seiten / 12.0 x 20.0 cm
Erscheinungstermin: 17. Oktober 2019

eingereicht beim Servus Krimi-Wettbewerb, erscheint am 17. Oktober in der Krimianthologie “Mörderische Alpen”
Servus Verlag,
ISBN-13 9783710402180
144 Seiten / 12.0 x 20.0 cm 


Der Alte saß auf einem Stein und blickte nachdenklich auf den See hinunter, der im Licht der Morgensonne funkelte wie ein Smaragd.

Etwas war falsch da unten.

Etwas, das wie ein kurzer Baumstamm aussah, schwamm ungefähr zehn Schritte vom Südufer entfernt im kristallklaren Wasser. Ein Baum – wo es weit und breit keinen Baum gab, der ins Wasser gefallen sein könnte. Nicht einmal Latschen wuchsen mehr auf dieser Höhe. Einzig borstiges Gras bedeckte die Felsen, die den See einschlossen.

Der Grashalm, der zwischen den Zähnen des Alten steckte, zuckte unruhig auf und ab.

Der Felsen warf noch einen langen Schatten auf die glatte Wasserfläche. Weit oben zog ein Steinadlerpärchen seine Kreise. Ihr Schrei tönte weit über die menschenleere Landschaft.

Bald würden die ersten Wanderer kommen und die Ruhe stören.

Der Alte warf einen Blick auf seine Schafherde. Dann schob er seinen Filzhut etwas weiter ins Genick, beugte sich über den glatten Stecken und fuhr mit der Schnitzarbeit fort, die er tags zuvor begonnen hatte.

Ein Murmeltierpfiff kündigte die ersten Wanderer an, lange bevor sie um die Kuppe gebogen kamen.

Der Alte schaute nicht einmal auf. Er kannte sie inzwischen, die Sonntagsgebirgler, die - mit Karbonstöcken ausgerüstet – seine Berge überfielen. Nach einem reichhaltigen Frühstück starteten sie, kamen beim Erklimmen des steilen Bergpfads derart ins Schwitzen, dass sie bei der Labiseben-Alm eine Pause einlegen mussten, in Kauf nahmen, dass sie dort keinen Cappuccino bekamen, dann doch endlich weiterwanderten zu seinem See, der ein Juwel unter den Bergseen war.

Noch ein Murmeltierpfiff. Der Alte setzte seine Schnitzarbeit fort. Gleich würden sie kommen.

Der Baumstamm in der Mitte des Sees dümpelte vor sich hin. Die Schafe widmeten sich den kargen Kräutern.

Es waren Italiener. Auch ohne ihre Worte zu verstehen, die laut über den See klangen, hätte der Alte das erkannt.

Mit großen Gesten deuteten sie auf den Gegenstand im Wasser, aufgeregt rannten sie am Ufer hin und her, erklommen einen größeren Felsblock, um einen besseren Blick auf den See zu haben. Der eine der beiden kramte umständlich ein Fernglas aus seinem Rucksack.

Eine leichte Brise kräuselte die Wasseroberfläche, der Gegenstand schaukelte sanft auf den Wellen.

Hoch oben erklang der helle Ruf des Adlers.

Von ferne näherte sich ein Brummen. Leise zuerst, dann immer lauter, bis der Hubschrauber der Carabinieri über dem See stand. Kurz wurde der Fremdkörper im See …


Wie's weitergeht? Mal sehen ...